Keller entfeuchten: Ursachen finden und Feuchtigkeit dauerhaft loswerden
Ein feuchter Keller riecht muffig, Kartons werden weich, an den Wänden blüht weißes Salz aus – und irgendwann kommt der Schimmel. Die gute Nachricht: In vielen Fällen ist nicht das Mauerwerk schuld, sondern die Luft. Die schlechte: Wer die falsche Ursache bekämpft, gibt viel Geld aus und hat trotzdem einen feuchten Keller. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du die Ursache sicher eingrenzt, wie du den Keller richtig lüftest, wann ein Luftentfeuchter reicht und wann eine Abdichtung nötig ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Erst die Ursache, dann die Maßnahme: Feuchte aus der Luft (Kondenswasser) braucht andere Lösungen als Wasser aus dem Erdreich oder aufsteigende Feuchte im Mauerwerk.
- Sommer-Falle: Nur lüften, wenn die Außenluft kühler ist als die Kellerluft – meist nachts oder früh morgens.
- Zielwert: 40–60 % relative Luftfeuchte. Liegt sie dauerhaft über 60 %, steigt laut Umweltbundesamt das Schimmelrisiko.
- Luftentfeuchter helfen gegen feuchte Luft, nicht gegen Wasser, das ständig durch die Wand nachkommt.
- Nasse Wände von außen oder unten lassen sich dauerhaft nur mit Abdichtung oder Horizontalsperre beheben – das ist Sache eines Fachbetriebs.
Dieser Ratgeber stützt sich auf Empfehlungen von Umweltbundesamt und Verbraucherzentrale sowie auf die technischen Regeln für Kellerabdichtungen (DIN 18533, WTA-Merkblätter). Alle Quellen findest du am Ende des Artikels. Welche Luftentfeuchter im Keller funktionieren, habe ich in meinem eigenen Luftentfeuchter-Test gemessen.
Warum ist der Keller feucht? Die 4 häufigsten Ursachen
Kellerräume liegen ganz oder teilweise im Erdreich. Ihre Wände sind deshalb kühler als die übrigen Räume und haben direkten Kontakt zu Bodenfeuchte. Feuchtigkeit kann auf vier Wegen in den Keller gelangen – und jeder Weg verlangt eine andere Lösung.
1. Kondenswasser: warme Luft trifft auf kalte Wände
Die häufigste und am meisten unterschätzte Ursache. Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Ein Beispiel mit den physikalischen Sättigungsmengen: Luft mit 25 °C und 60 % relativer Feuchte enthält rund 13,8 g Wasser pro Kubikmeter. Kühlt sie im Keller auf 15 °C ab, kann sie nur noch etwa 12,8 g aufnehmen (Sättigungsmengen laut Wikipedia). Der Überschuss schlägt sich als Wasser an Wänden, Boden und Rohren nieder – Fachleute sprechen von Kondensation oder Sommerkondensation.
Genau deshalb sind Keller im Sommer besonders gefährdet – darauf weist auch Stiftung Warentest hin. Wer an einem schwülen Tag die Kellerfenster öffnet, holt sich die Feuchtigkeit erst ins Haus. Typische Zeichen: Die Wände sind flächig feucht oder beschlagen, kalte Wasserleitungen „schwitzen“ und das Problem ist im Winter deutlich kleiner. Auch Wäsche, die im unbeheizten Keller trocknet, gibt viel Feuchte an die Raumluft ab.
2. Seitlich eindringendes Wasser: Abdichtung fehlt oder ist defekt
Kellerwände stehen im Erdreich und sind dort Bodenfeuchte, Sickerwasser und – bei hohem Grundwasser oder an Hängen – auch drückendem Wasser ausgesetzt. Ist die Außenabdichtung (Vertikalsperre) nicht vorhanden, gealtert oder beschädigt oder hat das Mauerwerk Risse, kann die Feuchte von außen eindringen. Typisch sind feuchte Flecken an den Außenwänden, die nach Regen oder Schneeschmelze deutlich größer werden. Verstopfte Fallrohre, ein Gelände mit Gefälle zum Haus oder undichte Lichtschächte verschärfen das Problem.
3. Aufsteigende Feuchtigkeit: Wasser zieht im Mauerwerk nach oben
Mauerwerk ist porös und saugt Wasser über feine Kapillaren nach oben – ähnlich wie ein Stück Würfelzucker im Kaffee. Neue Gebäude haben dagegen eine waagerechte Sperrschicht (Horizontalsperre). Bei vielen Altbauten fehlt sie oder sie ist nicht mehr dicht. Erkennbar ist aufsteigende Feuchte an einem feuchten Streifen im unteren Wandbereich, an abplatzendem Putz und an weißen Salzausblühungen – und zwar das ganze Jahr über, unabhängig vom Wetter.
4. Wasserschäden: Leitungen, Rückstau, Starkregen
Undichte Wasser- oder Heizungsleitungen, ein Rückstau aus dem Kanal oder Wasser nach Starkregen können einen Keller schlagartig durchnässen. Auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nennt beschädigte Rohre ausdrücklich als mögliche Ursache, wenn die Feuchte trotz richtigen Lüftens hoch bleibt. Nach einem größeren Wasserschaden reicht ein Haushalts-Luftentfeuchter meist nicht aus: Hier kommen professionelle Bautrockner zum Einsatz, und die Versicherung sollte früh informiert werden.
Feuchter Keller – was tun? Ursache finden in 5 Schritten
Bevor du Geld in Geräte oder Sanierung steckst, lohnt sich eine einfache Diagnose. Die Tabelle hilft bei der ersten Einordnung:
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Erster Schritt |
|---|---|---|
| Wände beschlagen oder sind nass, vor allem im Sommer; Feuchte eher flächig | Kondenswasser aus warmer Außenluft | Lüften umstellen, Hygrometer, ggf. Luftentfeuchter |
| Feuchter Rand und weiße Ausblühungen im unteren Wandbereich, das ganze Jahr | Aufsteigende Feuchtigkeit (fehlende Horizontalsperre) | Fachbetrieb: Feuchte- und Salzmessung |
| Feuchte Flecken an den Außenwänden, nach Regen deutlich stärker | Seitlich eindringendes Wasser (Außenabdichtung fehlt oder ist defekt) | Fallrohre, Gefälle, Lichtschächte prüfen; Fachbetrieb |
| Plötzlich nasse Stelle, punktuell, unabhängig vom Wetter | Undichte Leitung | Wasserzähler-Test, Installateur |
| Muffiger Geruch, Stockflecken an Kartons, keine nassen Wände | Dauerhaft zu hohe Luftfeuchte | Hygrometer, Lüften, Lagerung ändern |
- Hygrometer aufstellen und messen. Ein digitales Thermo-Hygrometer kostet wenig. Notiere ein bis zwei Wochen lang morgens und abends Temperatur und Luftfeuchte im Keller – idealerweise auch draußen. So siehst du, ob die Feuchte mit dem Wetter und deinem Lüften schwankt.
- Folientest machen. Klebe ein etwa 50 × 50 cm großes Stück Alu- oder Frischhaltefolie rundum dicht an die feuchte Wand und prüfe nach ein bis zwei Tagen: Ist die Folie auf der Raumseite nass, spricht das für Kondenswasser aus der Luft. Ist die Wand unter der Folie nass, kommt die Feuchte eher aus dem Mauerwerk. Der Test ist nur ein Hinweis und ersetzt keine Messung.
- Wasserzähler prüfen. Alle Wasserhähne schließen und auf den Zähler schauen: Dreht er sich trotzdem, ist irgendwo eine Leitung undicht.
- Außen kontrollieren. Laufen Dachrinnen und Fallrohre frei ab? Fällt das Gelände zum Haus hin ab? Sammelt sich Wasser in Lichtschächten?
- Bei Verdacht auf Mauerwerksfeuchte messen lassen. Ein Fachbetrieb oder Sachverständiger kann Feuchte und Salzgehalt im Mauerwerk bestimmen. Das ist die Grundlage für jede seriöse Abdichtungsplanung.
Keller richtig lüften – im Sommer und im Winter
Richtiges Lüften ist die günstigste Maßnahme gegen Feuchtigkeit im Keller – und gleichzeitig die, bei der die meisten Fehler passieren. Entscheidend ist nicht die relative Luftfeuchte, die dein Wetterbericht anzeigt, sondern wie viel Wasser die Luft tatsächlich enthält. Kühlere Luft enthält bei gleicher relativer Feuchte weniger Wasser. Richtig gemacht ist Lüften die einfachste Form der Entfeuchtung.
Keller lüften im Sommer: nur, wenn es draußen kühler ist
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fasst die wichtigsten Regeln so zusammen:
- Nur lüften, wenn die Außenluft kühler ist als die Kellerluft – an heißen Tagen die Kellerfenster geschlossen halten.
- Kurz stoßlüften statt Fenster dauerhaft gekippt lassen.
- Kartons, Möbel und Regale mit Abstand zu Außenwand und Boden lagern, damit die Luft zirkulieren kann.
- Keine nasse Wäsche im unbeheizten Keller trocknen.
- Die Luftfeuchtigkeit regelmäßig mit einem Hygrometer kontrollieren.
Am besten eignen sich die späten Abend- und frühen Morgenstunden, wie auch das Umweltbundesamt empfiehlt. Wer ganz sichergehen will, vergleicht mit zwei Hygrometern drinnen und draußen – oder nutzt eine Taupunktlüftung: Diese Steuerung misst innen und außen Temperatur und Feuchte und schaltet einen Lüfter nur ein, wenn die Außenluft tatsächlich trockener ist.
Keller lüften im Winter
Im Winter ist die Lage einfacher: Kalte Außenluft enthält nur wenig Wasser. Erwärmt sie sich im Keller, sinkt ihre relative Feuchte – Lüften trocknet also. Regelmäßiges Stoßlüften genügt; bei Frost die Fenster nicht lange offen lassen, damit Wasserleitungen nicht einfrieren. Mehr dazu in meinem Ratgeber Richtig lüften im Winter.
Leicht heizen hilft zusätzlich
Wird ein Kellerraum leicht temperiert, steigt die Oberflächentemperatur der Wände und es bildet sich weniger Kondenswasser. In Kellern, die als Wohn-, Hobby- oder Arbeitsraum genutzt werden, ist eine gleichmäßige Grundtemperatur deshalb sinnvoll. Einen reinen Lagerkeller zu beheizen, lohnt sich dagegen meist nicht – hier sind Lüften und gegebenenfalls ein Luftentfeuchter die bessere Wahl.
Welche Luftfeuchtigkeit ist im Keller normal?
Das Umweltbundesamt empfiehlt für Innenräume eine relative Luftfeuchte von 40 bis 60 % (UBA). Liegt sie dauerhaft über 60 %, steigt das Risiko für Schimmel (UBA-FAQ). Ein einzelner Messwert über 60 % nach dem Wäschewaschen ist kein Problem – entscheidend ist, ob der Wert über Tage und Wochen hoch bleibt.
Wichtig: Die relative Luftfeuchte hängt stark von der Temperatur ab. In einem kühlen Keller zeigt das Hygrometer bei gleicher Wassermenge in der Luft einen höheren Wert als im warmen Wohnzimmer. Wie das genau zusammenhängt und wie du richtig misst, erkläre ich im Ratgeber Luftfeuchtigkeit in Innenräumen. Die Zielwerte speziell für den Keller findest du auch auf meiner Seite Luftentfeuchter im Keller.
Keller mit Luftentfeuchter trocknen – wann sinnvoll?
Ein elektrischer Luftentfeuchter entzieht der Raumluft Wasser und sammelt es in einem Tank oder leitet es über einen Schlauch ab. Diese Form der Kellerentfeuchtung ist die richtige Wahl, wenn die Feuchte aus der Luft kommt: bei Sommerkondensation, nach dem Wäschetrocknen oder in schlecht belüftbaren Räumen. Auch die Verbraucherzentrale hält ein Gerät für sinnvoll, wenn es bei anhaltender Hitze auch nachts kaum abkühlt und die Feuchte hoch bleibt.
Wann ein Luftentfeuchter nicht die Lösung ist
Dringt Wasser von außen in die Wand oder steigt es im Mauerwerk auf, zieht ein Luftentfeuchter zwar Feuchtigkeit aus dem Raum – aber aus der Wand kommt ständig neue nach. Das Gerät läuft dann dauerhaft, verbraucht viel Strom und die eigentliche Ursache bleibt. In diesem Fall gehört das Geld in die Abdichtung.
Für den Keller zählen andere Kriterien als im Wohnraum: Das Gerät muss auch bei niedrigen Temperaturen ordentlich arbeiten, einen Schlauchanschluss für den Dauerbetrieb haben und sich per Hygrostat automatisch abschalten (Zielwert etwa 50–60 %). In meinem Test hat der stärkste Kompressor-Entfeuchter bei kühlen 15 °C noch 695 ml Wasser pro Stunde gezogen. Welche Geräte ich für den Keller empfehle und was der Dauerbetrieb kostet, steht auf meiner Seite Luftentfeuchter im Keller, alle Messwerte im großen Luftentfeuchter-Test.
Ein Tipp der Verbraucherzentrale zum Strom: Wer eine Photovoltaik- oder Steckersolaranlage hat, kann den Entfeuchter tagsüber mit eigenem Solarstrom betreiben. Und eine Brauchwasser-Wärmepumpe, die im Keller steht, entfeuchtet im Umluftbetrieb ihren Aufstellraum gleich mit.
Keller entfeuchten ohne Strom: Granulat und Hausmittel
Granulat-Entfeuchter (meist mit Calciumchlorid) ziehen Wasser aus der Luft, ohne Strom zu brauchen. Sie binden aber nur kleine Mengen und sind deshalb für Schränke, Boote oder kleine Abstellräume gedacht – gegen einen feuchten Keller kommen sie nicht an. Hausmittel wie Salz, Reis oder Katzenstreu wirken nach dem gleichen Prinzip, nur noch schwächer. Die wirksamste Methode ohne Strom bleibt richtiges Lüften.
Bautrockner nach einem Wasserschaden
Nach einem Rohrbruch, Rückstau oder Hochwasser steckt das Wasser tief in Wänden und Estrich. Dafür gibt es leistungsstarke Bautrockner, die man bei Fachfirmen oder Verleihern mieten kann. Bei größeren Schäden übernimmt meist eine Trocknungsfirma die Arbeit – oft in Abstimmung mit der Gebäude- oder Hausratversicherung.
Keller trockenlegen: Abdichtung von außen und innen
Kommt das Wasser aus dem Erdreich, hilft auf Dauer nur eine fachgerechte Kellerabdichtung. Welches Abdichtungsverfahren passt, hängt davon ab, wie stark das Wasser auf die Wände einwirkt. Maßgeblich für die Abdichtung erdberührter Bauteile ist die DIN 18533, die seit Juli 2017 gilt (Überblick beim FORUM VERLAG). Sie unterscheidet nach Wassereinwirkungsklassen:
- W1-E: Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser
- W2-E: drückendes Wasser (z. B. Grundwasser, Stauwasser)
- W3-E: nicht drückendes Wasser auf erdüberschütteten Decken
- W4-E: Spritzwasser und Bodenfeuchte am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter Wänden
Für das nachträgliche Abdichten bestehender Keller gibt das WTA-Merkblatt 4-6 der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA) den Stand der Technik vor – einschließlich der Innenabdichtung. Achte darauf, dass sich ein Angebot auf diese Regelwerke bezieht.
Außenabdichtung (Vertikalsperre)
Bei der Außenabdichtung werden die Kellerwände freigelegt, gereinigt und mit einer Abdichtung versehen – zum Beispiel einer kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtung oder mineralischen Dichtschlämmen. Oft kommen eine Perimeterdämmung als Schutz- und Dämmschicht und, je nach Bodenverhältnissen, eine Drainage hinzu. Vorteil: Das Wasser bleibt draußen und das Mauerwerk kann austrocknen. Nachteil: Das Ausschachten ist aufwendig und bei Reihenhäusern, Anbauten oder Grenzbebauung oft gar nicht möglich.
Keller abdichten von innen
Kann außen nicht gegraben werden, wird der Keller von innen abgedichtet – meist mit mineralischen Dichtschlämmen und Sperr- oder Sanierputzen. Das ist deutlich günstiger und lässt sich abschnittsweise ausführen. Du solltest aber wissen: Die Innenabdichtung schützt den Raum, nicht die Wand. Das Mauerwerk dahinter bleibt feucht. Bei drückendem Wasser und bei aufsteigender Feuchte muss die Innenabdichtung deshalb mit weiteren Maßnahmen wie einer Horizontalsperre kombiniert werden.
Horizontalsperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit
Gegen kapillar aufsteigende Feuchte wird nachträglich eine waagerechte Sperre in das Mauerwerk eingebaut. Zwei Verfahren sind durch WTA-Merkblätter geregelt:
- Mechanische Verfahren (WTA-Merkblatt 4-7): Die Wand wird abschnittsweise aufgesägt und eine Sperrbahn eingelegt, oder es werden Edelstahlbleche eingetrieben. Sehr wirksam, aber aufwendig und nicht für jedes Mauerwerk geeignet.
- Injektionsverfahren (WTA-Merkblatt 4-10): In eine Bohrlochreihe wird ein Injektionsmittel eingebracht, das die Kapillaren verschließt oder wasserabweisend macht. Weniger Eingriff in die Statik, Wirkung hängt stark von Mauerwerk und Durchfeuchtung ab.
Für andere Verfahren, etwa elektrophysikalische Geräte, die ohne Eingriff in die Wand wirken sollen, solltest du dir vor dem Kauf unabhängige Nachweise der Wirksamkeit zeigen lassen.
Sanierputz bei feuchten und salzbelasteten Kellerwänden
Sanierputz ist porös: Er lässt Feuchtigkeit verdunsten und lagert die mitgeführten Salze in seinen Poren ein, statt sie an der Oberfläche ausblühen zu lassen. Er ist eine Ergänzung zur Abdichtung, kein Ersatz – ohne Abdichtung oder Horizontalsperre ist auch der beste Sanierputz irgendwann mit Salz gesättigt. Achte auf WTA-zertifizierte Sanierputzsysteme.
Was kostet es, einen Keller trockenzulegen?
Seriös lässt sich das nur für den Einzelfall beantworten. Die Kosten einer Trockenlegung bzw. Kellersanierung hängen vor allem vom Verfahren ab (Außenabdichtung mit Ausschachten ist deutlich teurer als eine Innenabdichtung), von der betroffenen Fläche, der Zugänglichkeit und davon, ob zusätzlich eine Horizontalsperre oder Drainage nötig ist. Mein Rat: Bevor du die Wände sanieren lässt, erst eine Feuchte- und Ursachenanalyse machen lassen, dann mindestens zwei bis drei Angebote einholen und darauf achten, dass Verfahren und Regelwerk (DIN 18533, WTA) im Angebot genannt sind.
Folgen eines feuchten Kellers: Schimmel, Salpeter und muffiger Geruch
Feuchtigkeitsprobleme im Keller sind nicht nur unangenehm: Auf Dauer greifen sie die Bausubstanz an, fördern die Schimmelbildung und können den Wert des Hauses mindern.
Schimmel im Keller
Schimmelpilze brauchen vor allem eines: Feuchtigkeit. Laut Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts muss deshalb immer zuerst die Ursache der Feuchte beseitigt werden, sonst kommt der Befall zurück. Kleine, oberflächliche Flächen bis etwa 0,5 m² kannst du in der Regel selbst entfernen – sofern du gesund bist und keine Allergie oder Atemwegserkrankung hast. Glatte Flächen werden mit Wasser und Haushaltsreiniger abgewischt und anschließend mit 70- bis 80-prozentigem Ethanol nachbehandelt (Brandgefahr: gut lüften, kein offenes Feuer). Bei größerem Befall oder wenn der Schimmel tief in Putz oder Mauerwerk sitzt, sollte eine Fachfirma ran.
Salpeter im Keller
Weiße, flaumige oder krustige Beläge an Kellerwänden sind meist Salzausblühungen. Umgangssprachlich heißen sie „Salpeter“ – im engeren Sinn ist Mauersalpeter Calciumnitrat (Wikipedia). Die Salze werden mit der Feuchtigkeit durch das Mauerwerk transportiert und kristallisieren dort aus, wo das Wasser verdunstet. Weil sie Wasser anziehen, halten sie die Wand zusätzlich feucht und können Putz und Steine nach und nach zerstören. Trockenes Abbürsten entfernt nur den Belag. Dauerhaft hilft nur, die Feuchte zu stoppen und belasteten Putz durch Sanierputz zu ersetzen.
Muffiger Geruch im Keller
Der typische Kellergeruch ist ein Warnsignal: Er entsteht meist dort, wo es dauerhaft zu feucht ist und Mikroorganismen wachsen – oft lange bevor sichtbarer Schimmel auftaucht. Duftsprays und Lufterfrischer überdecken ihn nur. Miss die Luftfeuchte, lüfte richtig und prüfe, ob Kartons, Textilien oder Holz im Keller bereits Stockflecken haben.
Wann brauchst du einen Fachbetrieb?
Lüften, Lagerung ändern und ein Luftentfeuchter lösen viele Feuchteprobleme. In diesen Fällen solltest du aber nicht lange selbst experimentieren:
- Es steht Wasser im Keller oder Wasser drückt durch Wände oder Boden.
- Die Feuchte bleibt trotz richtigen Lüftens und Luftentfeuchter hoch – die Verbraucherzentrale rät hier, frühzeitig fachliche Beratung zu suchen.
- Putz platzt ab, Salze blühen aus oder der feuchte Bereich wächst.
- Der Schimmelbefall ist größer als etwa 0,5 m² oder sitzt tief im Material.
- Nach Starkregen, Hochwasser oder Rohrbruch – hier auch die Versicherung früh informieren.
Ansprechpartner sind Fachbetriebe für Bauwerksabdichtung bzw. Holz- und Bautenschutz oder ein Bausachverständiger für eine unabhängige Analyse. Mieterinnen und Mieter müssen Feuchteschäden dem Vermieter unverzüglich melden (§ 536c BGB) – am besten schriftlich und mit Fotos.
Häufige Fragen zum Keller entfeuchten
Wie bekomme ich die Feuchtigkeit aus dem Keller?
Zuerst die Ursache klären: Kommt die Feuchte aus der Luft (Kondenswasser) oder aus dem Mauerwerk? Bei Kondenswasser helfen richtiges Lüften – im Sommer nur, wenn die Außenluft kühler ist – und ein Luftentfeuchter mit Hygrostat. Dringt Wasser aus dem Erdreich ein oder steigt es im Mauerwerk auf, hilft auf Dauer nur eine Abdichtung oder Horizontalsperre durch einen Fachbetrieb.
Wann sollte man den Keller im Sommer lüften?
Nur, wenn die Außenluft kühler ist als die Kellerluft – also meist nachts oder früh morgens. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät, an heißen Tagen die Kellerfenster geschlossen zu halten und kurz stoßzulüften statt die Fenster dauerhaft zu kippen.
Welche Luftfeuchtigkeit ist im Keller normal?
Das Umweltbundesamt empfiehlt für Innenräume 40 bis 60 % relative Luftfeuchte. Liegt der Wert dauerhaft über 60 %, steigt das Schimmelrisiko. Für einen Keller, in dem du etwas lagerst oder Wäsche trocknest, ist ein Hygrostat-Wert von etwa 50 bis 60 % ein guter Zielbereich.
Hilft ein Luftentfeuchter gegen feuchte Kellerwände?
Gegen Kondenswasser und hohe Luftfeuchte ja. Gegen Wasser, das von außen oder von unten ins Mauerwerk dringt, nein: Das Gerät zieht dann ständig neue Feuchte aus der Wand, kostet dauerhaft Strom und die Ursache bleibt. Hier braucht es eine Abdichtung.
Kann man einen Keller ohne Strom entfeuchten?
Die wirksamste Methode ohne Strom ist richtiges Lüften: im Winter regelmäßig stoßlüften, im Sommer nur in kühlen Nacht- und Morgenstunden. Granulat-Entfeuchter binden nur kleine Wassermengen und eignen sich für Schränke oder kleine Räume, nicht für einen feuchten Keller. Hausmittel wie Salz oder Reis bringen praktisch nichts.
Was ist der weiße Belag an der Kellerwand?
Meist sind es Salzausblühungen, oft „Salpeter“ genannt. Die Salze wandern mit der Feuchtigkeit durch das Mauerwerk und kristallisieren an der Oberfläche aus. Abbürsten entfernt nur den Belag – solange die Wand feucht bleibt, kommen die Ausblühungen wieder. Die Ursache ist fast immer Feuchte im Mauerwerk.
Keller von innen oder außen abdichten – was ist besser?
Die Außenabdichtung hält das Wasser vom Mauerwerk fern und ist deshalb die gründlichere Lösung, erfordert aber das Freilegen der Kellerwände. Eine Innenabdichtung ist günstiger und auch dort möglich, wo außen nicht gegraben werden kann – das Mauerwerk selbst bleibt dahinter aber feucht. Welche Lösung passt, sollte ein Fachbetrieb nach einer Feuchteanalyse entscheiden.
Darf ich Wäsche im Keller trocknen?
In einem unbeheizten Keller besser nicht: Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät davon ab, weil die Feuchte aus der Wäsche an den kalten Wänden kondensiert. Wenn es nicht anders geht, nur mit Luftentfeuchter und Hygrostat.
Fazit: Erst verstehen, dann entfeuchten
Ein feuchter Keller ist kein Schicksal. Entscheidend ist, die Ursache richtig zu erkennen: Kommt die Feuchte aus der Luft, reichen oft schon angepasstes Lüften – im Sommer nur in den kühlen Stunden – und ein Luftentfeuchter mit Hygrostat. Kommt sie aus dem Erdreich oder steigt sie im Mauerwerk auf, ist eine fachgerechte Abdichtung nach DIN 18533 und WTA-Merkblättern die einzige dauerhafte Lösung. Ein Hygrometer für wenige Euro ist dabei der beste erste Schritt. Wer einmal weiß, woher die Feuchte kommt, kann neuen Schäden gezielt vorbeugen – und der Keller bleibt dauerhaft trocken.
Wenn du ein Gerät suchst: Meine Empfehlungen für den Keller findest du unter Luftentfeuchter im Keller.
Quellen
- Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Keller im Sommer richtig lüften (13.08.2026)
- Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig?
- Umweltbundesamt: Richtiges Lüften beugt Schimmel vor
- Umweltbundesamt: FAQ Absenkung der Raumtemperatur (Schimmelrisiko über 60 %)
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (2017)
- Stiftung Warentest: Luftentfeuchter – was sie leisten und was nicht
- FORUM VERLAG: DIN 18533 – Abdichtung erdberührter Bauteile (Wassereinwirkungsklassen)
- WTA-Merkblatt 4-6 „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“ (Inhaltsverzeichnis, Fraunhofer IRB)
- Wikipedia: Luftfeuchtigkeit (Sättigungsmengen)
- Wikipedia: Mauersalpeter
- § 536c BGB – Anzeigepflicht des Mieters



